Mit Erfolgs-Kennzahlen den Blog-Blues bekämpfen
Den Erfolg des eigenen Blogs regelmäßig zu überprüfen ist nicht nur wichtig - es macht auch glücklich
Kennzahlen - das Wort klingt wahrscheinlich nicht nur für mich zunächst mal nach Wirtschaft, Unternehmen, Controlling, kurz: Stress. Trotzdem können Kennzahlen zur Erfolgsmessung auch für den Betreiber des kleinsten Hobbyblogs noch wichtig sein. Dafür gibt es gleich zwei Gründe: Erstens helfen Kennzahlen tatsächlich dabei, objektiv zu überprüfen, ob sich ein Blog auf einem guten Weg befindet. Und zweitens können sie für kleine Glücksgefühle sorgen, wenn man aus irgendwelchen Gründen das Gefühl hat, das eigene Blog stagniert. Man muss sich dafür nur die richtigen Kennzahlen aussuchen.
Und man muss diese Kennzahlen aus dem richtigen Blickwinkel betrachten. Schließlich ist Bloggen im Grunde ein Spiel. Und jedes Spiel macht mehr Spaß, wenn man seinen Erfolg darin mit Punkten messen kann - mir geht das jedenfalls so.
Deshalb kann es helfen, sich einfach mal die eine oder andere Kennzahl anzuschauen, wenn einen wieder mal der Blog-Blues überfällt. Es gibt schließlich so viele verschiedene Kennzahlen, dass Erfolgserlebnisse bei einem Blick darauf praktisch unvermeidbar sind.
Aber welche Kennzahlen sollte man nun nehmen? Ich möchte hier nur ein paar vorstellen - und die Tools, die man zur Messung braucht. Also:
Die wichtigsten Blog-Kennzahlen im Überblick
- Die Zugriffszahlen: Klar, das ist wenig originell. Schließlich messen die meisten Blogger ihren Erfolg wahrscheinlich ohnehin an den Zugriffszahlen - ob mit Google Analytics oder einem der vielen anderen verfügbaren Tools. Und der Blog-Blues überfällt viele gerade dann, wenn es mit den Zugriffszahlen nicht so hinhaut. Auch hier kommt es aber auf die richtige Perspektive an. Nur bei den wenigsten Websites dürfte es stetig bergauf gehen. Der Privatanleger jedenfalls eilt nicht von Rekord zu Rekord. Aber wenn ich mal einen weniger tollen Monat habe, dann schaue ich halt ein wenig länger zurück. Die Zugriffszahlen im Dezember mögen zwar unter denen im November gelegen haben - aber verglichen mit dem Mai waren sie fantastisch. Manchmal kann es sich auch lohnen, nicht auf die Gesamtzahl der Leser zu schauen, sondern auf die Zahl der RSS-Abonnenten. Vielleicht stagnieren ja die Zugriffszahlen und die Zahl der Stammleser steigt trotzdem? Auch das ist ein schönes Kompliment an die Qualität der eigenen Arbeit.
- Die Einnahmen: Zugegeben - auch das ist noch eine ziemlich "harte" Kennzahl. Wenn die Einnahmen - ob aus Adsense oder irgendeinem Affiliate Programm, stagnieren oder zurückgehen, dann kann das hart sein. Das Schöne ist andererseits: Die Einnahmen hängen zwar mit den Zugriffszahlen zusammen. Es kann aber trotzdem passieren, dass die Einnahmen steigen, während die Seitenzugriffe zurückgehen - und umgekehrt. Ich konzentriere mich in beiden Fällen auf das Positive - und habe einen Grund mich zu freuen. Außerdem achte ich darauf, mir vorzustellen, was ich mit meinen Einnahmen jeweils gerade erreicht habe: die Hosting-Kosten gedeckt, die mobile Flatrate bezahlt, zusätzlich ein schönes Essen mit meiner Frau erwirtschaftet. So werden aus abstrakten Zahlen konkrete Belohnungen.
- Die Zahl der Kommentare: Auch eine ziemlich direkte Möglichkeit, das Interesse zu messen, auf das das eigene Blog stößt. Das Schöne ist: Für viele Kommentare sind überhaupt nicht viele Zugriffe nötig. Der Privatanleger hat ungefähr zehnmal so viele Besucher wie das Blog Blog Blog - aber viel weniger Kommentare. Und wenn dort drüben doch mal jemand kommentiert, dann ist es meist ein Spammer. Hier dagegen erhalte ich regelmäßig richtig sinnvolle Kommentare voller interessanter Denkanstöße. Klar, am schönsten wäre es, gute Kommentare und viele Besucher zu haben. Aber manchmal kann man auch mit weniger zufrieden sein.
Ein paar schönere Blog-Kennzahlen
Viel sympathischer als die oben genannten Standard-Kennzahlen und Erfolgskriterien finde ich aber solche, die man ziemlich einfach direkt beeinflussen kann. Die bringen einem vielleicht nicht gerade Ruhm und Reichtum ein - aber für den einen oder anderen stillen Moment der Freude sind sie doch gut. Zum Beispiel:
- Die Zahl der Seiten im Index: Wer sieht es nicht gern, wenn die Zahl der von Google, Yahoo und Co. erfassten Seiten stetig steigt. Ich habe bewusst mehrere Suchmaschinen aufgezählt, denn ich schaue bei allen nach - auch wenn Google natürlich viel, viel wichtiger ist als die anderen. Über Seiten im Yahoo-Index freue ich mich trotzdem. Und auch ins Webmaster-Center von Bing schaue ich regelmäßig. Eine verwandte, fast noch schönere Kennzahl: die Zahl der Backlinks der eigenen Seite. Auch die steigt fast von selbst, wenn man dranbleibt.
- Gute Platzierungen bei Google: Die Google-Webmaster-Tools zeigen nicht nur die häufigsten Suchbegriffe für das eigene Blog an, sondern auch, wie gut man bei diesen Begriffen platziert ist. Der Privatanleger erhält eine Menge Traffic über Google, also sind diese Kennzahlen tatsächlich wichtig. Aber auch fürs Blog Blog Blog, das kaum Zugriffe über Google erhält, ist die Statistik schon spannend. So habe ich es aus irgendeinem Grund auf Platz 2 bei der enorm populären Suchwort-Kombi google sitemap avisieren (sorry, der Link musste einfach sein) geschafft. Und wer weiß, was noch alles kommt?
- Die Zahl der Artikel: Für mich persönlich ist die Zahl der von mir verfassten Artikel eine der wichtigsten Kennzahlen. Nicht dass ich krampfhaft versuchen würde, einen Text nach dem anderen rauszuhauen. Aber ich halte doch oft inne und wundere mich, wie viel ich in meiner Freizeit so geschrieben habe. Ich kann mich noch erinnern, wie froh ich über den 50. Artikel auf der Privatanleger war, wie ich den 100. Artikel genossen habe, und wie überrascht ich war, als ziemlich kurz nach dem 100. schon der 200. Artikel folgte. Gerade habe ich den 275. hinter mir. Auch eine schöne Zahl finde ich. Genauso wie Artikel Nr. 10 auf Blog Blog Blog, der sicher auch bald veröffentlicht wird.
- Das Alter des Blogs: Viel zu viele gute Blogs segnen viel zu früh das Zeitliche. Ich bin mir der kurzen Halbwertszeit vieler Blogs bewusst - und ich weiß, wie schwierig es sein kann, ein Blog neben dem Job am Leben zu halten (vor allem, wenn man einen gewissen Anspruch an seine "Arbeit" hat). Deshalb freue ich mich über jeden Monat, der neu in meinem Blog-Archiv auftaucht. Es ist ein bisschen wie mit dem Memento Mori der alten Romantiker: Nur wer öfter mal an den Tod denkt, weiß das Leben richtig zu schätzen.
- Der W3C-Validator: Apropos Tod - wenn alle Stricke reißen, schicke ich meine Seite durch den W3C-XHTML-Validator. Der checkt, ob der Quellcode meines Blogs sauber ist. Und wenn er Fehler entdeckt, verrät er mir, wo sie sitzen. Leider scheint es mit HTML genauso zu sein wie mit meiner Wohnung: Unsauber wird's von selbst, zum Aufräumen muss man sich anstrengen. Aber genau, wie manche Menschen gerne putzen, räume ich ab und zu mal gern den Quellcode meiner Seite auf. Und wenn der Validator ausnahmsweise mal gar keine Probleme findet, fühle ich mich richtig sauber.
Aber natürlich lässt sich nicht alles, was wichtig ist, in irgendwelche Zahlen packen. Das schöne Gefühl, gerade einen irgendwie sinnvollen Text zu schreiben, motiviert mich wahrscheinlich nach wie vor am stärksten. Und wenn ich beim Betrachten eines Monate oder gar Jahre alten Artikels merke, dass dieses Gefühl mich nicht getäuscht hat, dann ist das ganz besonders schön.
Wie bekämpft Ihr den Blog Blues?
Was mich natürlich auch interessiert: Was treibt Euch beim Bloggen an? Wie bekämpft Ihr Frustrationen? Fixiert Ihr euch auch auf Zahlen? Und wenn ja: auf welche?

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