Wie soll Paid Content jemals funktionieren?
Wirtschaftsmedien: Ich bin sogar zum Einloggen zu träge
Viel ist schon geschrieben worden über die Suche der großen Verlage nach neuen Einkommensquellen und die Paid-Content-Experimente von New York Times, Springer und Co. Einen wesentlichen Beitrag zur Debatte kann ich natürlich nicht mehr leisten. Eine Meinung kann ich aber noch beisteuern - und die (Selbst-)Beobachtung, auf der sie basiert. Die Meinung: Paid Content wird für Zeitungsinhalte nie funktionieren. Die Beobachtung, auf der die Meinung passiert: meine eigene Trägheit.
Was ich damit meine? Ich lese regelmäßig verschiedene Wirtschaftsmedien online, manchmal schaue ich auch in die Printausgaben: Handelsblatt, Financial Times Deutschland, Financial Times, Börsen-Zeitung, Capital und so weiter.
Eines meiner Lieblingsmedien ist die Börsen-Zeitung. Deren Analysen bewegen sich oft ein wenig abseits vom üblichen Blabla und lenken meinen Blick auf Aspekte von Wirtschafts-Ereignissen, über die ich nie nachdenken würde, ließe man mich mit den Ereignissen allein. Bezahle ich deshalb für die Online-Inhalte der Börsen-Zeitung? Nein. Habe ich mal ernsthaft darüber nachgedacht? Auch nicht - dabei sind Finanzthemen für mich nicht nur privat relevant, sondern auch beruflich. Den geldwerten Nutzen der Börsen-Zeitungs-Artikel für mich schätze ich trotzdem zu gering ein, um dafür zu bezahlen. Und interessante Nachrichten und Analysen finde ich anderswo in Hülle und Fülle kostenlos - selbst wenn die Qualität öfter mal abfällt im Vergleich zur Börsen-Zeitung.
Handelsblatt.com und FT.com: Passwort vergessen - na und?
So richtig ist mir aber erst aufgegangen, wie weit die meisten Medienunternehmen davon entfernt sind, Geld mit Paid Content verdienen zu können, als ich mal ein bisschen über mein Nutzungsverhalten bei Handelsblatt.com und FT.com nachgedacht habe.
Beide verfolgen ein sehr ähnliches Modell: Unregistrierte Einfach-so-Leser kriegen nur das Basisangebot; wer sich registriert, darf mehr Artikel pro Monat lesen (FT.com) oder auch auf das so genannte Premium-Angebot zugreifen (Handelsblatt.com). Wer bezahlt, darf noch mehr.
Natürlich habe ich trotzdem nie daran gedacht, für die Artikel der beiden Portale zu bezahlen. Aber registriert habe ich mich doch. Bei beiden. Dann habe ich vergessen, welche E-Mail-Adresse ich benutzt habe. Und an die Passwörter für die beiden Accounts kann ich mich schon gar nicht mehr erinnern. Ehrlich gesagt konnte ich das nicht mal eine Woche nach der Registrierung beim Handelsblatt.
"Schön blöd" könnte man jetzt sagen. Aber ich denke, das zeigt einfach nur, wie sehr ich an den Angeboten hänge: gar nicht nämlich. Wichtige Passwörter merke ich mir nämlich. Bei FT.com ist es mir schon zu viel Aufwand, mir das Passwort noch mal zusenden zu lassen.
Dabei interessieren mich viele Artikel sogar. Und ich habe auch viel Sympathie für die Verlage und wünsche mir auch künftig eine möglichst große Auswahl an gutem Journalismus. Ich glaube auch nicht, dass Blogs und Soziale Medien Journalismus einfach so ersetzen können.
Aber welche Auswirkungen hat das auf mein Verhalten? Richtig: keine. So relevant sind die genannten Angebote also für mich. Deshalb lege ich mich auch fest: Paid Content klappt nicht. Jedenfalls nicht für größere Leserkreise.

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