Blog-Artikel bei der VG Wort melden
So können Blogger mit gar nicht so viel Aufwand etwas Geld nebenbei verdienen
Die VG Wort ist eine tolle Einrichtung: Sie sammelt Geld aus Zweitnutzungsrechten und reicht es an Autoren weiter - an Journalisten, Schriftsteller, Verleger. Und auch Blogger können Geld über die VG Wort erhalten, wenn sie ihre Texte bei der Verwertungsgesellschaft melden und die Texte ein paar Bedingungen erfüllen. Also: Wie funktioniert das nun mit der VG Wort?
Warum gibt es die VG Wort überhaupt?
Die Bezahlung für die erstmalige Verwertung eines Textes ist meist relativ schnell geklärt: Fest angestellte Redakteure schreiben für ein Monatsgehalt, freie Journalisten für Zeilen-, Stunden- oder Tagessätze. Und Blogger schreiben meist ohne direkte Bezahlung. Sie sind selbstständige Publizisten und entscheiden frei darüber, ob sie die von ihnen produzierten Inhalte über Anzeigen, Affiliate-Programme oder auf anderen Wegen zu Geld machen wollen.
Was aber ist mit der so genannten Zweitverwertung? Wer bezahlt die Urheber dafür, dass Menschen ihre Texte kopieren, ausdrucken und lesen, ohne dafür auf irgendeine Weise zu bezahlen? Wer bezahlt für die Nutzung von Büchern in Bibliotheken?
Nun: Letztlich bezahlen dafür die Käufer von Kopiergeräten, Schulbüchern, Leer-DVDs etc. - weil die Hersteller all dieser Geräte und Medien eine Abgabe an die VG Wort leisten müssen. Das Gleiche gilt für die Betreiber von Bibliotheken und Copyshops. Die VG Wort bietet auf ihrer Website einen Überblick über ihre Einnahmequellen an.
Das Schöne für alle Autoren ist nun: Die VG Wort behält das Geld nicht für sich, sondern schüttet es aus - an die Urheber von Texten. Jedenfalls dann, wenn diese sich bei der VG Wort melden.
Wie meldet man nun seine Texte bei der VG Wort?
Rein rechtlich ist die VG Wort ein Verein. Für praktische Belange kann man sie aber auch mit einer Behörde vergleichen: Man sollte nicht erwarten, dass irgendetwas besonders schnell und einfach geht. Geduld ist wichtig.
Zunächst einmal muss man sich nämlich bei der VG Wort registrieren. Das geht online. Nach der Online-Registrierung muss man allerdings auch noch Unterlagen ausdrucken und abschicken. Wenn die VG Wort die Unterlagen dann bearbeitet hat, kann man anfangen, seine Texte online zu melden. Für Blogger wird nun der Bereich Texte im Internet/METIS relevant.
Welche Möglichkeiten, Geld zu bekommen, gibt es für Blog-Autoren?
Grundsätzlich gibt es zwei Ausschüttungsverfahren, an denen Blogger teilnehmen können: die reguläre Ausschüttung und die Sonderausschüttung. Am Namen ist unschwer zu erkennen: Die reguläre Ausschüttung ist das Verfahren, das die VG Wort bevorzugt.
Wer daran teilnehmen will, muss in seine Texte ein Zählpixel einbauen, also eine unsichtbare Grafik, mit deren Hilfe die VG Wort zählen kann, wie oft ein Text tatsächlich aufgerufen wurde. Wird der betreffende Text nun innerhalb eines Jahres so oft aufgerufen, dass ein von der VG Wort festgelegter Schwellenwert erreicht ist, dann gibt man der VG Wort über das Online-Meldesystem Bescheid - und darf auf eine Ausschüttung hoffen.
Der Einbau dieser Zählmarke dürfte für fast alle Blogger das richtige Verfahren sein. An der Sonderausschüttung darf nämlich nur teilnehmen, wer keine technische Möglichkeit zum Einbau der Zählmarke hat. Sobald man irgendwie Zugriff auf den Quelltext der selbstverfassten Artikel hat, ist diese Möglichkeit aber gegeben.
Die Sonderausschüttung unterscheidet sich von der regulären Ausschüttung vor allem in zwei Punkten: Es wird nicht gezählt, wie häufig ein Text aufgerufen wurde, und die Urheber erhalten pro Text weniger Geld. Die Sonderausschüttung ist vor allem für Autoren wichtig, die auf fremden Seiten publizieren, auf denen sie keine Zählmarken einbauen können.
Welche Voraussetzungen muss ein Text erfüllen, damit man ihn der VG Wort melden kann?
Damit ein Text überhaupt meldefähig ist, muss er mindestens 1.800 Zeichen (inkl. Leerzeichen) lang sein. Der Text muss außerdem als HTML-Dokument offen lesbar oder als PDF verfügbar sein. Andere Dateiformate zählen nicht.
Für die reguläre Ausschüttung gilt: Der Text muss innerhalb eines Kalenderjahres die Mindestzugriffszahl erreicht haben. Wie viele Zugriffe das sind, wird aber erst im Folgejahr festgelegt. Im Jahr 2008 mussten Texte in mindestens 1500 Sessions aufgerufen werden, um an der regulären Ausschüttung teilnehmen zu können. In jedem Fall bedeutet das, man sollte sich so früh wie möglich im Jahr Gedanken über die Meldung machen - und nicht erst im Dezember.
Außerdem muss der gemeldete Text identisch mit demjenigen sein, der die Mindestzugriffszahlen erreicht hat. Veränderungen, die 10 Prozent des Textes nicht überschreiten, sind aber wohl gestattet. Klar: eine Regelung gegen Missbrauch.
Für die Sonderausschüttung gilt die Mindestzugriffsregelung logischerweise nicht, ansonsten sind die Anforderungen identisch. Texte für die Sonderausschüttung müssen bereits zum Ende des Jahres gemeldet werden, für das die Ausschüttung gilt.
Wie viel Geld schüttet die VG Wort pro Text aus?
Die beste Antwort: Es kommt darauf an. Bisher liegen Zahlen für das Jahr 2008 vor. Die Ausschüttung dafür erfolgte voriges Jahr. Für jeden Text, der es auf mindestens 1.500 Zugriffe gebracht hatte, zahlte die VG Wort 30 Euro, für jeden Text mit mindestens 2.500 Zugriffen sogar 40 Euro.
Wer als Autor für einen fremden Seitenbetreiber (einen Verlag) schreibt, bekam allerdings nur einen Teil davon, denn der Gesamtbetrag wird aufgeteilt. Autoren erhielten für das 17,65 Euro für jeden Text mit mindestens 1.500 Aufrufen, Seitenbetreiber erhielten 12,35 Euro. Für die häufiger aufgerufenen Texte bekamen Autoren 23,53 Euro, Seitenbetreiber 16,47 Euro.
Die gute Nachricht für Blogger: Da sie in der Regel Seitenbetreiber und Autoren in einer Person sind, erhalten sie ganz schlicht den Gesamtbetrag. Also wenigstens 30 Euro pro meldefähigem Text.
Die Zahlen für die Sonderausschüttung sind weniger kontrovers: Für jeden Autor wurde ein Sockelbetrag von 12 Euro ausgeschüttet, außerdem gab es pro Autor 3 Euro je gemeldeten Text.
Und? Lohnt es sich nun, Texte bei der VG Wort zu melden?
Ich denke schon. Bisher habe ich aber noch keine persönlichen Erfahrungen (außer den Ausschüttungen, die ich früher als Print-Journalist erhalten habe). Für das Jahr 2009 habe ich rund 20 Texte zur Sonderausschüttung angemeldet, die ich für Suite101.de (also einen fremden Seitenbetreiber) geschrieben habe. War kein großer Arbeitsaufwand für 60 Euro.
Wirklich spannend für mich und andere Blogger dürfte aber ja die reguläre Ausschüttung sein. Und da habe ich bisher nur Schätzwerte vorzuweisen. Mein Finanzblog betreibe ich seit April 2009, seit Ende April messe ich die Zugriffszahlen mit Google Analytics.
In den gut acht Monaten, für die ich also Zugriffszahlen habe, hätte sich nur ein Artikel für die Ausschüttung qualifiziert. Wenn ich die Zahlen aufs ganze Jahr hochrechne und annehme, dass die Zugriffe proportional ansteigen, dann hätte ich vier bis sechs qualifizierte Artikel. Also 120 bis 180 Euro zusätzliche Einnahmen.
Aber das ist alles bloße Theorie. Schließlich kann man nicht einfach annehmen, dass sich die Zugriffszahlen linear weiterentwickeln. Und andererseits hatten die meisten Artikel logischerweise keine acht Monate Zeit, Besucher anzulocken.
Grundsätzlich denke ich: Für viele kleinere Blogs sind die Mindestzugriffszahlen ein Problem. Richtig interessant sind aus meiner Sicht eigentlich nur Artikel, die über einen längeren Zeitraum hin konstant Besucher anlocken - der berühmte Longtail.
Folglich habe ich Ende 2009 begonnen, die Zählmarken in alle Artikeln einzubauen, denen ich zutraue, langfristig genügend Besucher anzuziehen. Insgesamt lasse ich nun gut 30 von über 250 Artikeln in meinem Blog zählen. Bisher dürften so zehn Artikel auf dem Weg sein, die Mindestzugriffszahlen zu erreichen.
Lohnt sich das nun? Keine Ahnung - aber eine nette Ergänzung zu meiner (extrem schlecht bezahlten) Hobby-Schreiberei sind die VG-Wort-Tantiemen in jedem Fall.
Was denkt Ihr? Lohnt sich der Aufwand für den Durchschnittsblogger? Oder ist das einfach nur viel Ärger für (fast) nichts?

neun Kommentare
Interessanter Ansatz, auch wenn man beachten muss, dass eine Vielzahl der Blogs, wie du schon richtig sagtest, wohl am Schwellenwert der Zugriffszahlen scheitern dürfte, sofern sie nicht Artikel in der Pipeline haben, die aufgrund der passenden “Keywords” oder eines besonders aktuellen Themas nicht massig Besucher / Zugriffe via Suchmaschinen wie Google, Bing & Co. generieren.
Gerade für populärere Blogs (ich denke da vor allem an so manchen Technikblog) könnte sich das allerdings wirklich als eine durchaus lohnenswerte zusätzliche Einnahmequelle herausstellen.
Apropos Einnahmen: wie ist der Spaß denn steuerlich zu betrachten? Hast du da auch Informationen zu?
Wenn’s um Steuern geht, liege ich eigentlich immer daneben. ;)
Es gibt eine Info-Seite der VG Wort zur Umsatzsteuerpflicht.
Was die Einkommensteuer angeht, muss man das vermutlich einfach als Einkommen aus selbstständiger Tätigkeit angeben. Aber als ich selbst noch Freiberufler war, hat das immer meine Steuerberaterin gemacht…
Hihi, bei den Steuern kann man heutzutage auch oft einfach nur noch daneben liegen… wenn man bedenkt, dass sich da oftmals die Experten und Sachbearbeiter in einzelnen Finanzämtern nicht einig sind, wie in bestimmten Fällen vorzugehen ist^^
Hallo! Ich bin gerade dabei, meine ersten Zählmarken einzubauen. Die Anmeldung habe ich bereits erledigt – jetzt kommt die Einbauarbeit. Auf einem Gartenblog von mir habe ich etwa 50 Unterseiten, die die vorgegebenen Schwellenwerte schaffen sollten. Die Tantiemen sind natürlich verlockend, der Einbau erfordert aber schon etwas Übung. Das Ganze Prozedere wirkt sehr umständlich und ich muß mich beim Einbau relativ stark konzentrieren. Leider gibt es bei der VGWort erst eine Benachrichtigung, wenn der Schwellenwert für einen Artikel überschritten wurde. So eine Art Aufrufstatistik wäre dabei mit Sicherheit hilfreich.
Hallo Peter,
das Verfahren ist tatsächlich sehr nervig und bürokratisch. Mir ist das in den letzten Wochen auch wieder schmerzhaft bewusst geworden. Eben weil es so aufwändig ist, hatte ich beim Einbau von Zählmarken in neue Artikel geschludert – und prompt habe ich mehrere hundert Aufrufe bei einem überraschend erfolgreichen Artikel VG-Wort-mäßig verpasst. Dass die VG Wort keine Aufrufstatistik anbietet, finde ich ebenfalls blöd. Aber na ja – besser ein nerviges Verfahren als gar keines. Immerhin gibt es jetzt noch viel Spielraum für Optimierungen. ;)
Das es bei der VGWort keine Abrufstatistik gibt ist für den Seitenbetreiber zwar nicht so toll aber das verhindert evtl. auch einen Mißbrauch. Dann wer wäre nicht versucht seine Besuherzahlen kurz vor Schluss nochmal künstlich nach oben zu treiben.
Schön Wäre es natürlich wenn die VGWort für die gängigen Blogsysteme ein Plugin anbieten würde das die Arbeit automatisch macht. Dann müsste man sich nicht bei jedem Artikel den Vergleich Aufwand Nutzen stellen. Aber Technisch sind die da leider nicht so weit. Aber das der Onlinebereich ja starte Wachstumswerte aufweist werden die in sich in den nächsten Jahren bestimmt verbessern.
Ups, kannst du bitte bei meinem obigen Kommetar noch die E-Mailadresse verbergen? Hab den Button vergessen anzuklicken und ich möchte ja nicht zugespammt werden in zukunft. Danke
Hi Matti, ich denke, die Missbrauchsgefahr besteht auch ohne VG-Wort-eigene Abrufstatistik, weil man ja aufgrund eigener Zahlen versucht sein könnte, irgendwelche Schwellenwerte (der Vergangenheit) noch schnell zu erreichen. Das Fehlen der Abrufstatistik sehe ich aber auch eher als Bequemlichkeits-Problem, der nervige Pixel-Einbau ist das einzige, was ernsthaft stört – aber das kann ja in den nächsten 5 bis 10 Jahren noch werden…
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