Kommentar-Spam: die 5 schlimmsten Fehler
Das Schlimmste an den Spammern ist: Sie können es einfach nicht. Eine kurze Anleitung.
Tag um Tag um Tag um Tag ärgere ich mich über Spam-Kommentare auf meinem Finanzblog Der Privatanleger. Der Spam-Kram fällt besonders auf, weil die normale Leserschaft sich mit Kommentaren traditionell ziemlich zurückhält. Allerdings: Die hohe Frequenz von Spam-Kommentaren alleine wäre halb so wild - WENN DIE BLÖDEN SPAMMER NICHT VÖLLIG HIRNVERBRANNT WÄREN. Deshalb an dieser Stelle eine kleine Anleitung extra für meine Stammkundschaft: So vermeiden Sie die häufigsten Fehler beim Spammen.
Spam-Fehler 1: den kommentierten Artikel gar nicht lesen
"Danke für den Artikel. Sehr informativ. Viele grüße an Alle." schreibt "Benjamin K." in seinem Kommentar zu einem Artikel über die Schließung des Offenen Immobilienfonds Axa Immoselect. Natürlich hätte er das auch zu jedem anderen Artikel schreiben können. Welcher Blogbetreiber fühlt sich da nicht gebauchpinselt? Wohl nur die alleruneitelsten. Und welcher Blogbetreiber wird angesichts eines solchen Kommentartextes nicht hellhörig? Wohl nur die allernaivsten. Also, liebe Spammer: Bitte gebt euch zumindest ansatzweise ein wenig Mühe mit den Texten Eurer Kommentare. Schreibt nichts, was Ihr wortgleich unter jeden Artikel jedes Blogs packen könntet (und um Gottes Willen packt nicht einen identischen Kommentar in 52 verschiedene Blogs).
Noch nerviger sind eigentlich nur völlig debile Kommentare, die nicht mal vorgeben, sich auf den Inhalt eines Artikels zu beziehen. Beispiel gefällig? "Ist es möglich hier auch eigene Texte reinzuschreiben, hätte da nämlich auch ein paar zuhause die ich hier gerne veröffentlichen würde."
Ich schäme mich jetzt noch, dass dieser Text auf meinem Blog veröffentlicht wurde. Gelöscht habe ich ihn trotzdem nicht - nur die URL rausgenommen.
Spam-Fehler 2: den falschen Namen wählen
Bleiben wir noch eine Weile bei "Benjamin K.". Der Name klingt ja erst mal unverfänglich. Wenn die zugehörige E-Mail-Adresse (die der Spammer schlauerweise für jeden sichtbar mitveröffentlicht hat) allerdings JohannesLedin@yahoo.de lautet, dann wirkt das irgendwie verdächtig. Hat da jemand etwa etwas zu verbergen?
Versteht das nicht falsch: Natürlich darf jeder unter irgendeinem frei gewählten Nick kommentieren. Aber, liebe Spammer: Wenn Ihr nicht unter Eurem echten Namen kommentieren wollt, dann wählt wenigstens einen überzeugenden falschen. Zum Beispiel "Kommentator666" oder "Trader from Hell".
Eine andere Ausprägung des gleichen Problems ist die Wahl von Keyword-Namen (beliebt: alles mit ETF). Ein Klassiker und sicher gaaanz toll für die Google-Serps. Bei mir leider auch eher geeignet, rote Flaggen hochgehen zu lassen.
Spam-Fehler 3: dieselbe E-Mail-Adresse und unterschiedliche Namen
Ich bin wirklich wachsam. Deshalb habe ich auch bemerkt, dass der gute JohannesLedin@yahoo.de in den vergangenen Wochen gleich dreimal bei mir Kommentare abgesetzt hat. Sie hatten vieles gemeinsam (zum Beispiel eine gewisse Inhaltsleere), doch der Name des Kommentierenden war stets unterschiedlich. Einmal war es sogar eine "Lady". Mir wurde schon ganz warm ums Herz. Bis ich auf die E-Mail-Adresse schaute. Und auf die doofen Seiten, auf die er/sie verlinkt hat. Leute: Mein Blog verlangt nicht mal die Eingabe einer echten E-Mail-Adresse. Macht Euch doch wenigstens die Mühe, euch für jeden Spam-Versuch eine neue Fake-Adresse auszudenken.
Spam-Fehler 4: zwei Weiterleitungen auf die gleiche Seite verlinken
Nun wird es allmählich schon subtiler. Obwohl: Das Wort "subtil" ist wohl in allen hier geschilderten Fällen völlig unangebracht. Jedenfalls: Es kommt doch tatsächlich hin und wieder vor, dass jemand einen durchaus nicht ganz sinnlosen Kommentar schreibt, sich einen unverdächtigen Nick aussucht und auch mit der E-Mail-Adresse nichts anbrennen lässt - nur um dann in zwei direkt untereinanderstehen Kommentaren einmal auf die .com- und einmal auf die .de-Domain seiner Versicherungsvergleichsseite hinzuweisen. Gier frist Hirn? Oder einfach nur Gier? Weniger ist eben öfter mal mehr - vor allem beim Kommentarspam.
Spam-Fehler 5: Ständig neue Seiten verlinken
Schon ein relativ fortgeschrittener Fehler, aber dennoch geeignet, den Erfolg einer Spam-Aktion zu gefährden. Wenn jemand - ruhig auch in einigem zeitlichen Abstand voneinander - drei Kommentare schreibt und dabei einmal eine URL angibt, die irgendwas mit Jalousien zu tun hat, einmal auf eine Kreditvergleichsseite verweist und beim dritten Mal Werbung für irgendwelche Last-Minute-Reisen macht, dann ist das verdächtig - und kann durchaus zur Löschung aller Links führen, die auf einem Blog gesetzt wurden.
Also, liebe Spammer: Tut Euch (und mir) den Gefallen und lasst bei Euren Aktivitäten zumindest einen kleinen Rest Eures Verstandes eingeschaltet. Dann geht Ihr mir weniger auf die Nerven - und habt sogar eine Chance, dass Eure Aktion Euch einen kleinen Erfolg bringt. Danke.

sechszehn Kommentare
Schöner Artikel, danke für die MüheSpas:) Im Ernst guter Artikel, habe eigentlich wenig Probleme mit Spammern, mein Blog ist zwar auch nicht so hochfrequentiert wie deiner, aber vielleicht hilft Captcha. Habe das bei mir drin und das scheint zu helfen.Liebe Grüße
Ich glaube der erste Punkt ist eigentlich der wichtigste. Wenn doch jemand einen Artikel ausführlich liest, die dazugehörenden Kommentare etc. und was sehr sinnvolles dazu schreibt, kann er von mir aus irgendeine Damen yahoo Email und mit einem männlichen Namen einen Eintrag abliefern.
Wenn er aber irgendein sinnlosen Kommentar wie “alles grün” oder so schreibt und dann noch alles andere totaler Quatsch ist, dann lösche auch ich den Kommentar, weil das keinem weiter hilft. Gerade im Sinne der Leser sollte man eben darauf achten, dass man eben sinnvolle Kommentare im Beitrag stehen hat.
Dass der erste Punkt der wichtigste ist, stimmt sicher. Wenn ich aber von jemandem aus irgendeinem der anderen Gründe den Eindruck gewinne, dass er ein gewerbsmäßiger Spammer ist, dann bin ich trotzdem geneigt, zumindest die Links zu seinen Seiten zu entfernen – habe keinen Bock, jede Menge Links auf irgendwelche Bad-Neighbourhood-Seiten in meinem Blog zu haben.
Aber klar: Für die Leser sind sinnhaltige Kommentare das A und O. Wenn das passt, kann man auch mal über merkwürdige Namens-E-Mail-Kombis hinwegsehen. Nicht wahr, “Richard”? ;-)
Ich glaube übrigens, Captcha hilft gegen die Spammer, die bei mir im Moment so aufkreuzen nicht so recht – das dürften schon alles Menschen sein. Die Bots bin ich auch los, seit ich ein kleines Spam-Quiz bei älteren Artikeln eingebaut habe. Was helfen würde, ist wahrscheinlich “nofollow” für die Links. Derzeit möchte ich meine No-Nofollow-Politik aber eigentlich beibehalten.
Grüße
Es gibt aber noch einen weiteren Punkt.
Bei zB deiner Seite “Der Privatanleger” passt eine Mischung zwischen themenbezogenden- und Schwachsinns-Spam, wie “Hey, gute Seite mit vielen Anlegertipps. Aber wisst ihr, wie man auch viel Geld machen kann und ich zum Mulitimillionär geworden bin?
Schaut auf meiner Seite http://www.stinkereichwerdendurchebooks... und kauft jetzt die ultimative Anleitung, wie ich in 3 Tage vom HartzIV-Empfänger zum Millionär wurde…”
Ich finde diese Pseudo-Eingehen auf den Artikel schon fast schlimmer, als dieser Standartmüll wie “Hey, guter Artikel..bla..
Ja, das ist auch eine extrem nervige Masche: “Interessant – ein Staatsanleihen-ETF. Hier erfährst Du, wie Du mit Unternehmensanleihen 40 Prozent in einem Jahr machen kannst.” Argh…
Ich betreibe mit 2 Freunden zusammen einige Blogs zu den verschiedensten Themen – und wir beobachten dort genau das gleiche: “Pseudo-Lob” in der hier im Artikel beschriebenen Form nimmt erheblich zu.
Interessant daran ist m.E., dass es sich dabei fast nie um Blogger-Kollegen auf der Suche nach Links handelt, sondern fast immer um größere Websites, Verlage oder bekannte Unternehmen. Anscheinend ist das Thema “Web 2.0” an der einen oder anderen Stelle gerade bekannt geworden und es werden allerorten die Praktikanten dran gesetzt: “Herr Müller, sorgen Sie mal für Traffic auf unserem Blog, kommentieren Sie mal überall”…
Gruss aus Köln,
André
p.s. Ach ja: ich habe die URL eines thematisch passenden Blogs eingetragen, hoffe das war o.k. ;-)
Das passt schon. :)
Deine Feststellung kann ich nur unterstreichen: Blogger, die einen Link wollen, geben sich in der Regel viel mehr Mühe. Liegt wahrscheinlich daran, dass sie sich eher in die Situation des Blog-Betreibers hineinversetzen können.
Das ist wahrscheinlich auch ein Grund dafür, dass ein Finanzblog, das relativ wenig von Bloggern gelesen wird, anfälliger für solchen Spam-Scheiß ist.
Schöne Auflistung. Werd mir den Artikel mal Bookmarken und beim nächstem Keyword Spammer in meinen Kommentaren die Spam Adresse mit dem Artikel Tauschen :)
Nette Idee – ich habe sie auf meinem anderen Blog direkt mal in die Tat umgesetzt…
Nur leider wird der Spammer in den meisten Fällen nichts daraus lernen, da er wohl die Kommentare und den Blog nicht weiter verfolgen wird. Aber wer weiß :)
Zum ersten Punkt der Liste könnte man auch ein “ich hab den Artikel gelesen” Captcha basteln. Anstatt den bekannten “was ergibt 7 + 4” Captchas einfach “Wie heißt der im Artikel erwähnte Kommentarspammer?” :)
Wie lustig, alle beschweren sich über Spammer und posten hier ihre Webshops.
Och, ich fand alle Kommentare passend und hilfreich. Da geht auch mal ein Link zu nem Webshop. Oder?
VG
Holger
Very good site. Thanks!,
Nice site. Thank you.,
Lustiger Spam – ausgerechnet zu diesem Artikel und so ganz ohne URL… Hat PivotX etwa ein Anti-Spam-Tool eingebaut, dessen Funktionsweise ich noch gar nicht kenne?
Vielleicht sollte ich mal mein Spam-Quiz überarbeiten. Fällt jemandem ein extrem einfaches ein, dass nur auf Deutsch funktioniert?
Das ist kein Spam, sondern ein Testkommentar. Wie nervig ist das neue Spam-Quiz?